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Montag, 16. März 2009 um 13:31

Die Entwicklung des Regattasports

Autor: Michael Hartwig

Teil 2: America`s Cup – Giganten im Matchrace

 

Wir erinnern uns - 22.August 1851, der US-Schoner „America“ gewann die damals noch „Hundert Guinea Cup“ genannte englische Silberkanne, bei einer Regatta um die Isle of Wight. 14 englische große Kutterjachten gegen einen New Yorker-Schoner. Welch ein Desaster für die große Schiffahrtsnation Britannien. Die Amerikaner segelten mit der silbernen Trophäe zurück nach Neu York und hätten diese fast eingeschmolzen, um Erinnerungsplaketten für die Crew-Mitglieder daraus zu prägen. Doch schließlich blieb die Kanne erhalten und wurde dem „New York Yacht Club“, zusammen mit einer Stiftungsschrift übergeben. Diese Urkunde „deed of gift“ beinhaltet noch heute die wichtigsten Regeln für eine Regatta und schreibt die Wettbewerbe zwischen den Nationen vor. Die silberne Trophäe konnten die New Yorker von 1851 bis1983, ohne Unterbrechung, gegen eine große Zahl von Herausforderern verteidigen. Segel begeisterte Großunternehmer wie die Vanderbilts oder Rockefeller investierten schon damals Millionen Dollars in die Entwicklung ganz neuer Yachten und technischer Ausrüstungen. In dieser Epoche kamen viele Aufträge aus den USA zu deutschen Werften wie zum Beispiel Abeking und Rasmussen in Lemwerder bei Bremen. Auch in England entstanden neue Yachtformen. So investierte der englische Cup-Verfechter Sir Thomas Lipton viel Geld in neue Schiffe und Segelschnitte für die Regatten in USA. Wegen seiner sportlichen Hartnäckigkeit wurde der britische Teebaron auch von den Amerikanern anerkannt. Lipton Tee war dort die meist getrunkene Teemarke.

 

Im Laufe der Jahre wurden die Mannschaften und Boote Australiens zur größten Bedrohung für die US-Trophäeninhaber. Doch erst 1983 gelang den Australiern der große Wurf. Die „Australia II“ des Geschäftsmannes Alan Bond konnte mit ihrem legendären Skipper John Bertrand die 132 jährige Siegesserie der USA beenden. Für die Amerikaner ein ähnliches Fiasko wie damals 1851, für die englische Nation. Doch Skipper Dennis Conner, der als erster Amerikaner den Cup verloren hatte, schlug bei der nächsten Regatta zurück. Mit einem vorher nicht bekannten Aufwand, unterstützt vom Flugzeugbauer Boeing und der NASA, wurden vier der modernsten Yachten gebaut und Mannschaften trainiert. In einem der spektakulärsten Cup-Rennen vor der australischen Stadt Fremantle holte Conner die Silberkanne zurück nach Amerika und brachte sie in seinen Heimatclub nach San Diego. Dort kam es 1995 erneut zu einer Regatta die an Dramatik kaum zu überbieten war. Die bis dahin wenig bekannten Regattamannschaften aus Neuseeland (in Seglerkreisen Kiwis genannt) mit ihrem Teamchef, Weltumsegler und Naturschützer, Sir Peter Blake und Steuermann Russell Coutts schafften es doch tatsächlich, dem amerikanischen Verteidiger ein zweites mal den Cup zu entreißen.

 

Einmal konnte Neu Seeland die alte Silberkanne in der America`s Saison 2000 erfolgreich verteidigen. Danach zerfielen die Mannschaften und die Sponsorenteams. Es gab Richtungsstreitigkeiten und Finanzprobleme. Führende Segler wie Coutts und sein Taktiker Brad Butterworth verließen das Neuseeländische Team und nutzten ihre Chance. Sie heuerten beim Schweizer Geschäftsmann und Segler Ernesto Bertarelli an und bauten eine starke Crew für dessen neue Cupjacht „Alinghi“ auf. Die Schweiz beim America`s Cup - welch eine Herausforderung an alle Seefahrernationen. Beim 31. Cuprennen im Frühjahr 2003 war es vor Neuseeland dann soweit. Die schweizerischen Newcomer nahmen den Kiwis die silberne Kanne endgültig wieder ab. Damit kam das begehrte Stück wieder nach Europa. Weil der Cup-Sieger auch immer die Veranstaltungs-Rechte für die nächste Regatta erhält, wählten die Schweizer für die 32. Cup-Auflage 2007 Valencia als Gastgeber aus.

Bei dieser Regattasaison war, seit langem wieder, ein deutsches Team mit dabei.

Hauptsponsor war der Internet-Unternehmer Ralph Dommermuth. Nach anfänglichen aber üblichen Schwierigkeiten kehrte Ruhe und Konzentration in die Mannschaft ein. Ein hartes Training mit einem Zwölf-Stundentag begann. Skipper der „United Team Germany“ war der Däne Jesper Bank. Titelverteidiger Alinghi führte der Berliner Jochen Schürmann. Auch hier arbeitete man an den machbaren Grenzen. Dafür hatten sich die Schweizer einen Vorteil geschaffen. Sie bauten eine zweite Alinghi als Sparringspartner und wurden Schluss endlich wieder Cupsieger.

 

Die Giganten der Geschwindigkeit haben eine 17-Mann Crew welche auf die besonderen Anforderungen in einem Matchrace gedrillt werden. Matchracing ist eine unter vielen Disziplinen im Segelsport. Beim Matchrace kämpft Boot gegen Boot. Dabei müssen vor allem die Steuerleute alle anfallenden Informationen in Sekunden auswerten und augenblicklich reagieren. Ohne jahrelanges Training ist dieser Job nicht zu bewältigen. Vor allem während der sehr langen Startvorpfase sind ungewöhnliche Taktiken und Tricks einzusetzen. Am 16.April 2007 starteten in Valencia elf Herausforderer zur letzten Vorentscheidung (Louis Vuitton Cup). Der Gewinner trat ab dem 23.Juni gegen „Alinghi“ an. Die Rennen setzten mal wieder für den Regattasport einen neuen Meilenstein.