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Montag, 16. März 2009 um 13:30

Regattasport – wie er sich entwickelte

Autor : Michael Hartwig

Teil 1:Vom königlichen Yachtsport zum Amerikas Cup

 

Der Segelsport erlebte Ende des 19.- und Anfang des 20. Jahrhunderts seine erste wegweisende Entfaltung. Er trug entscheidend zur Weiterentwicklung von Boots- und Segelformen bei. Regattasport konnten sich Jahrzehnte lang nur Adelige und reiche Kaufleute leisten. Nicht immer ging es den Yachtbesitzern um Sport, sondern um Prestige.

 

Die Kutterflotte

Im England des 19.Jahrhunderts wurden zunehmend Yachten gebaut und Clubs gegründet. Das vorherrschende Schiff war der Kutter. Diese Boote entsprachen der damaligen Yachtbautradition: gerader Bug, langer Bugspriet und ein Rumpf der sich zum Heck hin verjüngte. Die Schiffe führten bis zu drei Vorsegel und ein Gaffel-Groß mit fliegendem Unterliek. Die schnellen Kutter wurden ursprünglich von der militärischen Marine zur Schmuggler-Jagd entwickelt. Für Regatten schrieb man weder Tiefgang noch Segelfläche vor. Nur für die Breite gab es Strafpunkte. So wurden die Schiffe immer länger, schlanker und größer – die „Große Kutterflotte“ bildete sich. Das Hauptgebiet der englischen Regattaszene lag zwischen der Südküste und der Insel „Wight“- dem Solent- vor dem Inselstädtchen „Cowes“. Der im Yachtsport bestimmende Club war der 1815 als Yacht Club of Cowes gegründete und 1833 umbenannte „Royal Yacht Squadron“. Der damalige tonangebende Yachtdesigner hieß William Fife. Die noch üblichen Rahsegel, bei achterlichem Wind benutzt, ersetzte er durch ballonartige Klüver. Das neue Vorsegel bezeichnete er als Spin.Heute hat sich der Spinnaker durchgesetzt.

 

Von der Slup zum Schoner

Im gleichen Zeitraum nahm die Yachtentwicklung in Amerika einen ganz anderen Verlauf. Für englische Yachten galt „tief und schlank“. Für die US-Westküste war die Vorgabe „breit und flach“. Vorbild waren die Slups der Fischer. Die Yachtentwürfe waren an keine Tradition gebunden. Man übernahm die schnittige Bugform der großen Klipper. Die Slups hatten einen flachen, lang gestreckten Rumpf und ein Schwert. Das Rigg bestand aus einem Gaffelsegel und einer Baumfock. Für zusätzliche Stabilisierung sorgte die umfangreiche Mannschaft durch Gewichtsverlagerung. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging man zum Zweimast-Rigg über. Diese „skooner“ wurden zum Sinnbild für Yachten der Neuen Welt. Während die Regatten in Europa hauptsächlich in der „Cowes Week“ im Solent abgehalten wurden, begannen segelsportliche Veranstaltungen in Amerika erst im Verlauf des 19.Jahrhunderts. Nur wenige hatten in der Aufbruchzeit Geld und Lust für Wettkämpfe auf dem Wasser. Mit Gründung des „New York Yacht Club“ 1844 verbreitete sich der Segelsport zwischen Boston, New York und Baltimore. Regattakurse zu den Feuerschiffen, wie zum Beispiel „Sandy Hook“ waren beliebte Strecken. Ob in England oder Amerika die Regatten fanden in Küstennähe statt. Erst durch die Einladung der Royal Yacht Squadron an den New Yorker Club, zur Segelsaison 1851, sollte der Atlantik zum Ragattarevier werden.

 

Ein hässlicher Silberpott

Die New Yorker schickten ihren besten Schoner, die 31 Meter lange „America“. Skipper war der frühere Clipperkapitän Dick Brown. Seine 30köpfige Mannschaft hatte ebenfalls Großsegler-Erfahrung. Das war auch nötig denn um die großen Gaffelsegel zu bedienen, war die halbe Mannschaft an den Doppelfallen. Winschen waren noch nicht auf den Yachten. Wie bei den Großseglern musste im Gleichtakt gearbeitet werden. Man kann sich vorstellen wie überrascht die Engländer waren als die „America“ Shantylieder singend in den Solent rauschte. Übrigens, Lieder aus dieser Zeit werden noch heute von den bekannten Bodensee-Shantymen gepflegt. Die Atlantiküberquerung war für die US- Mannschaft ein gutes Training. Start und Ziel der Regatta lagen vor Cowes. Der Kurs betrug 53 Seemeilen um die Insel Wight. Als Preis stand unter einer Glasvitrine der „Hundred Guinea“ Pokal. Die „America“ hatte anfangs Startschwierigkeiten, scheuchte aber bald die versnobte englische Segler-Gesellschaft auseinander. Wie der Teufel fegte der Schoner, trotz einiger unfairer englischer Blockadeversuche, zwischen die großen Kutter und ging in Führung. Nach dem Sieg der Amerikaner war man in Cowes und im ganzen Land in heller Aufregung. In einer Sondersitzung des Unterhauses waren sich die Abgeordneten einig: der englische Traditionspokal muss aus Amerika zurückgeholt werden. Die Entwicklung neuer Schiffs-und Segeltechnik begann. Die Einen wollten den nach Amerika gegangenen Cup (America`s-Cup) zurück erobern, die Anderen wollten ihn verteidigen. Die Zeit der Transatlantik-Rennen begann. Fortsetzung folgt

Bildunterschrift: Der Schoner „America“ brachte den „Silberpott“ nach New York, hier vor Long Beach.