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Einhandsegler Vorreiter des Fahrtensports PDF Drucken E-Mail
Montag, 16. März 2009 um 13:30

Einhandsegler – Vorreiter des Fahrtensports
Autor: Michael Hartwig

 

Für die Milliardäre im amerikanischen Newport und die Adeligen im englischen Cowes endete der ausschweifende Yachtsport abrupt im Juni 1914. Nach dem Attentat in Sarajewo, auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand, wurden auch die gerade laufenden Kieler Regatta-Tage mit Kaiser Wilhelm II. und seiner Yacht Meteor II abgebrochen. Eine Epoche ging zu Ende. In England ging die Royal Navy, unter ihrem Ersten Lord der Admiralität Winston Churchill, rigoros vor und requirierte die großen britischen Yachten. Die schnellen, aus Holz gebauten, Segler wurden zu U-Bootjägern, Minenräumbooten oder Kaperschiffen umgerüstet. Damit gingen auch die englischen Versuche der vorherigen Jahre zu Ende, den seit 1851 abhanden gekommenen America´s-Cup wieder auf die Insel zurück zuholen. In dieser Zeit hatte sich, fast unbemerkt, eine ganz andere Spezies von Wassersportlern entwickelt – die Einhandsegler.

Wieder waren es zunächst einige Engländer welche die alljährlichen großen Regattagelage als zu langweilig und zu unseemännisch ablehnten. Vielmehr vertraten sie die Meinung, dass man als Seemann geboren sein sollte und seit der Jugendzeit Segeln und Arbeiten auf dem Boot erlernt haben musste. E.Middelton war solch ein “gewachsener“ Segler. !860 umsegelte er alleine die britischen Inseln zum ersten Mal. Bereits 1870 gelang John Buckley die erste Einhand – Atlantiküberquerung. Erste kleine Sportberichte wurden darüber abgedruckt. Weitere Reisen verschiedener anderer Segler fanden in den Clubjournalen und Fachzeitschriften ihren Niederschlag. So berichtete der Berufsseemann und Segler Mc. Mullen, dass er durch seine Einhand-Fahrten mehr erlernte als in seinem bisherigen Beruf. Etwas das noch heute als eiserne Regel bei internationalen Einhandregatten gilt, hatte er entdeckt und durch Versuche bewiesen:> Bei schlechtem Wetter, also bei orkanstarken Winden, ist es geboten vor allem nahe Küsten zu meiden und sich besser auf der offenen See mit kleinstem Segel treiben zulassen<. Segler wie Mc. Mullen bewiesen außerdem, dass zum Segeln kleinere Boote, wie zum Beispiel Rettungsboote oder Fischkutter, absolut sicher waren. Diese Erfahrungen und Berichte ermutigten viele Segelanhänger, mit geringen Mitteln, selber den Sport zu betreiben. Endgültig wurden vorhandene Zweifel gebrochen als der Törn des bescheidenen Amerikaners Joshua Slocum bekannt wurde. Auf Ihn traf eine spätere Zeitungsüberschrift “Arm und Einsam“ ganz besonders zu.


Bild: 1 Die Sloop Spray im Heimathafen, fertig zur Ausfahrt.

 

 

 

Er wurde als eines von 11Kindern in New Scotland geboren. Bereits mit 14Jahren reißt der junge Hitzkopf von zu Hause aus um, auf einem Fisch-Schoner, zu den Neufundland- Bänken zu segeln. Er musste wohl schon in jungen Jahren ein ausgezeichneter und beliebter Seemann gewesen sein, denn bereits mit 18Jahren bestand er das Leutnantspatent. Wenige Zeit später erhielt er die Ernennung zum Kapitän, wurde amerikanischer Staatsbürger und konnte mit 25Jahren einen Küstenschoner übernehmen. Später war er Kapitän verschiedener Großsegler. Heimlich heiratete er in Australien und nahm, wie früher üblich, seine Frau Virginia auf allen weiteren Reisen mit. Seine drei Kinder wurden an Bord verschiedener Schiffe geboren. Slocum war nicht nur ein hervorragender Schiffsführer er war auch ein geschickter Bootsbauer und als solcher an einer Werft in Manila beteiligt. Doch irgendwann verließ Ihn das Glück. Seine Frau starb während einer Reise auf dem Rio de la Plata. Die spätere zweite Frau hatte jedoch für das Meer nicht viel übrig. Sie und die drei Kinder brachte er nach Amerika zurück. Durch eine Meuterei und Havarie hatte er sein Schiff verloren. Zwischenzeitlich ging die Zeit der Großen Frachtsegler dem Ende zu. Motorschiffe übernahmen immer mehr Frachtrouten. Ein Angebot der White Star Linie dort als Kapitän zu fahren lehnte Slocum ab. Er wollte Segler bleiben und nicht Dampferkommandant werden. Bald waren die Ersparnisse aufgebraucht, die Familie verarmte und zerstritt sich. Mehr aus Mitleid übergab ihm ein Freund das in die Jahre gekommene Austernboot Spray. Mit diesem ca.11Meter langen und 4,30 Meter breiten Segelkutter wollte er Fischfang betreiben. Das Boot war eher ein Wrack doch Slocum erneuerte es Stück für Stück. Nur mit der Fischerei hatte er keinen Erfolg. Bei verschiedenen Gesprächen mit Hafenreportern des Boston Globe wurde die Idee geboren mit der Spray zum ersten Mal einen Segeltörn alleine um die Welt zu wagen. Seine Reiseberichte sollten gut honoriert werden.

Am 2.Juli 1895 lichtete Slocum, im Alter von 51 Jahren, den Anker. Vorher hatte der erfahrene Seemann das Schiff mit einem zweiten Mast versehen und der Sloop neue gute Segeleigenschaften gegeben, so dass sie mit festgestelltem Ruder bei jeder Fahrt Kurs hielt. Sein Proviant bestand meistens aus Schiffszwieback, Kartoffeln, Stockfisch und Frischwasser. Womit er zunächst nicht gerechnet hatte war die Einsamkeit auf See. „Während der ersten Zeit hatte ich tatsächlich auch Angst“ gab Slocum später zu. Zum Beispiel gab er sich selber laute Befehle um das Reden nicht zu verlernen. Aus einem kleinen Liederbuch sang er zur Unterhaltung Shanties und Seesongs wie sie noch heute von den bekannten Bodensee- Shantymen gepflegt werden. Sein erstes Ziel waren die Azoren um von dort aus durch den Suezkanal zu fahren. Marine Offiziere rieten ihm wegen wahrscheinlicher Piratenüberfälle davon ab. So nahm er direkten Kurs nach Südamerika um durch die Magellanstraße in den Pazifik zu gelangen. Piraten blieben ihm später doch nicht erspart.

Mit seinemGewehr und dem schnellen Boot konnte er sich aber jedes Mal in Sicherheit bringen. In vielen Häfen entlang des Südamerikanischen Kontinents wurde er begeistert gefeiert. Im Februar 1896 meisterte die Spray die schwierige Magellanstraße mit ihren starken Strömungen. Slocum besaß auch Humor. Zum Beispiel verstreute er nachts, wenn er ankerte, an Deck Nägel um diebische Eingeborene abzuwehren. Wenn diese dann barfuss und schreiend auf dem Schiff umher sprangen hing er sich eine Decke um, stieß gruseliges Geheul aus, gab noch ein paar Schüsse in die Luft und die ganze Sippe sprang entsetzt ins kalte Wasser. Im Pazifik geriet er öfters in starke Stürme. Dann wurde die Spray so schnell, dass Slocum mit ausgebrachten Trossen bremsen musste. Bei ruhigem Passatwind segelte er am Archipel Juan Fernandez und den Marquesas-Inseln vorbei. Wo es ihm gefiel landete er, stockte die Vorräte auf oder fing Fische und feierte mit den Inselbewohnern. Er steuerte Australien an und machte in Sydney Pause. Hier kannte man ihn noch von früher. Er gab Interviews und für einige Münzen konnte interessierte Stadtbewohner sein Schiff besichtigen. Der Sydney Morning Herold schrieb unter anderem:
"Die waghalsigen Abenteuer von Kapitän Slocum sind einmalig und nicht wiederholbar."


Bild. 2 Gedenktafel für Joshua Slocum von seiner letzten Gemeinde Fairhaven- Massachusetts.
 

 

 

Um in den Atollen die Einfahrtrinnen zu finden kletterte er manchmal auf den Hauptmast, merkte sich Richtung oder Landmarken und wagte die Landung. Das hatte vor ihm noch keiner geschafft. An den Inseln Rodriques und Mauritius vorbei erreichte er schließlich das Kap der guten Hoffnung. Hier empfing ihn Präsident (Ohm) Krüger der immer noch der Meinung war, dass die Erde eine Scheibe sei. Am 3.Juli 1898 legte Slocum, bejubelt und von vielen Booten begleitet, mit seiner Spray wieder im Heimathafen an. Später kaufte er für seine Familie, auf der Insel Martha`s Vinyard-Massachusetts, eine kleine Farm. Slocum erhielt viele Ehrungen und Einladungen. So zum Beispiel vom Sohn des Amerikanischen Präsidenten Archibald Roosevelt. So oft er konnte segelte er im Winter in die südliche Sonne der Antillen. Mit 65 Jahren startete er einen Törn in den Orinoko. Er stach am 14 November 1909 mit der Spray in See. Seit dem fehlt von beiden jede Spur. Slocum war für viele, die nach ihm bekannt wurden, wie Einhandsegler Tommy Drake oder Vito Dumas, das Vorbild für ihre Fahrten.